Muhamad Zada (Syrien/ Deutschland) ist ein bekannter Dichter aus Syrien und lebt seit den neunziger Jahren in Deutschland. Er hat mehrere Publikationen veröffentlicht, und seine Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt.
Deutsch
FATIMA, MEINE SCHWESTER
Fatima, ist ein Jahr älter als ich im Weinen, doch gemeinsam sprangen wir von Klasse zu Klasse gemeinsam durchschritten wir die Jahre, Hand in Hand.
Mit neun Jahren zeigte unsere Mutter ihr, wie sie das Gas aufdreht,
und unsere Väter liebte ihren Kaffee, der den Raum erfüllte.
Fatima, der Liebling unserer Onkel mütterlicherseits, nach unserer Mutter benannt,
und das Spielzeug unserer vier Onkel väterlicherseits, die sie verwöhnten.
Doch das Einzige, was ich aus ihrer Kindheit erinnere,
ist die Träne des Hauses,
die Schachtel mit unseren Sorgen,
die Kerze unserer Mutter
und der Kaffee unseres Vaters
Fatima, die nichts über Männer weiß außer, dass sie Feiglinge sind,
die lügen und weiterziehen,
deshalb hat sie nie geheiratet.
Als sie floh, war sie erleichtert.
Sie ließ keine Kinder zurück,
keinen Mann, der auf sie wartete,
der sie bat, ihm eine Einladung für das Botschaftsdatei zu schicken,
dann das Flugticket und die Reisekosten.
Sie kaufte keine Blumen und kein neues Kleid,
das dem Empfang des Familienoberhaupts angemessen war.
Sie machte keine Fotos am Flughafen.
Fatima hat nie geheiratet.
Deshalb hat sie nie Geld geliehen, um ihrem Ehemann zu helfen.
Sie legte ihre Armbänder nicht in seine Hände,
damit er eine Schuld bezahlen konnte. Sie rief mich nie an,
um sich über ihn zu beschweren.
Fatima weiß nichts über Männer, außer dass sie früh sterben, wie unser Vater.
Fatima, meine Schwester.
Im Norden fand sie ihr Heim,
die Dreißig vergingen, ohne das weiße Kleid der zu tragen.
Die Vierzig zog an ihr vorbei, ohne dass sie sich von der Welt stören ließ.
Mit fünfzig saß sie da, pflanzte Rosen im Garten,
hörte den Klängen alter Lieder nach.
Fatima,
meine Schwester, besaß das Erbe der Immunität,
die ihr von unserer Großmutter Fatima zuteilwurde,
als sie noch ein Kind war in der Stadt Basra.
Ein alter Mann aus dem Süden beliebte sie,
er flüsterte meinem Vater ins Ohr:
„Ich liebe ihren Namen.“
Fatima, meine Schwester
Unverheiratet geblieben
Gott segnete sie aber mit einem Kind
Ein Kind im Alter von achtzig Jahren
Fatima wurde eine großartige Mutter.
Sie badet meine Mutter,
bürstet zärtlich ihr ergrautes Haar,
erzählt ihr Geschichten aus längst vergangenen Zeiten.
Und am Morgen reicht sie ihr den Kaffee,
den sie von ihr gelernt hatte,
als sie noch ein Kind von neun Jahren war.
Übersetzt von Ishraga Mustafa Hamid
Lektoriert von: Eva Surma
Arabisch
فاطمة… أختي
تكبرني في البكاء بعام
لكننا قفزنا معاً من صفّ دراسي لآخر
وفي التاسعة علّمتها أمّي تشغيل الغاز
فأحبّ أبي قهوتها
فاطمة أختي
دلوعة أخوالي كانت تحمل اسم والدتهم
ولعبة أعمامي الأربعة
لا أذكر من طفولتها سوى دمعة البيت
صندوق همومنا
شمعة أمي
قهوة أبي
فاطمة التي لا تعرف عن الرجال سوى أنهم جبناء
يكذبون ويمضون
لهذا لم تتزوّج
وحين نزحت كانت مرتاحة
لم تترك أطفالًا خلفها
لم تترك رجلاً ينتظرها أن ترسل له دعوة لموعد السفارة
ثم بطاقة الطائرة ومصروف الطريق
لم تشتري ورداً وفستاناً جديداً يليق باستقبال رب العائلة
لم تلتقط الصور في المطار
فاطمة لم تتزوّج
لهذا لم تستلف النقود يوماً لتساعد زوجها
لم تضع أساورها بين يديه ليدفع ديناً
لم تتصل بي يوماً تشكو منه
فاطمة لا تعرف عن الرجال سوى أنهم يموتون باكراً مثل أبي
فاطمة أختي
صار عندها بيتٌ في شمال الأرض
عبرت الثلاثين دون فستان أبيض
رمت الأربعين خلف ظهرها دون أن تكترث
وفي الخمسين جلست تزرع الورد في حديقتها
وتسمع الأغاني القديمة
فاطمة
أختي كانت تتمتع بحصانة من جدّتي فاطمة
وفي طفولتها في مدينة البصرة
أحبها عجوزٌ من الجنوب
وقال لأبي همساً :
أحبُّ اسمها
فاطمة أختي
لم تتزوّج
رزقها الله بطفلة
طفلة على أبواب الثمانين
صارت فاطمة أمٌّ عظيمة
تُحمم أمي
تُسرّح شعرها
تحكي لها الحكايات
وفي الصباح تقدم لها القهوة
التي تعلّمتها من أمي
وهي في التاسعة من عمرها .